Jugend - Südengland

Ja, das war cool, mein Sprachaufenthalt in Südengland. Ihr müsst wissen: Bournemouth hat das beste Klima der ganzen Insel. Naja, war zwar fast jeden Tag bewölkt und windig, aber im Vergleich zur Schweiz hat es sehr wenig geregnet, doch es hat immer sehr schnell gewechselt "Tüpisch English-Wetter". Sogar im Meer baden wollte ich, nur eben, bei 14-18 Grad Wassertemperatur vom Atlantik blieb es beim Wollen.

Zusammen mit japanischen Studis war ich bei einer Gastfamilie, wo ich mich pudelwohl fühlte; obwohl ich natürlich dauernd englisch reden musste. Leider fuhr die Familie dann in Urlaub und ich kam zu einem alleinstehenden Mann - das war schon ok, aber halt ein bisschen ruhiger.

Dreimal im Jahr feiern die Engländer "Bank Holiday" - ein freier Montag, dessen einziger Zweck es eben ist ein freier Montag zu sein, also ein verlängertes Wochenende. Klar haben auch wir die Gelegenheit genutzt: wir machten einen Ausflug zum südwestlichsten Punkt der Insel, dem "Landsend", und zwar vier Männer und vier Frauen, mit zwei Mietautos. Und so fuhren wir auch, vier Männer - und vier Frauen. Hm.
Na jedenfalls kamen wir ziemlich spät an, das Touristenbüro hatte schon zu. Wir mussten in zwei Gruppen losziehen um überhaupt noch ein B&B (bed and breakfast) zu finden. Weil die Leute auf dem Land wirklich sehr Gastfreundlich und nett sind, bekamen wir die Adresse von einer Farmerfamilie ausserhalb. Es war nicht ganz klar wieviele sie von uns aufnehmen würden, aber als wir dort ankamen, machten sie für uns alle Platz - sogar mit einem separaten Mädchenzimmer, über und über in rosa Rüschen. Es waren noch drei weitere Gäste da, das Haus war richtig knallvoll; und die Gastgeber gaben sogar ihr eigenes Schlafzimmer her.

In der Schule gab's am ersten Tag schon einen Einstufungstest für den Sprachunterricht. Wir hatten mehrere Lehrer, die alle sehr geduldig und motiviert waren, speziell Mike. Er konnte uns den Stoff am besten rüberbringen und war auch sonst ein flotter Kerl. Er verblüffte mich nämlich eines Tages total: er bat mich, nach der Stunde doch noch kurz zu bleiben und sagte dann zu mir: gell, Du hast Narkolepsie?!
Ich war sprachlos. Da erklärte mir Mike, dass er früher eine Schule geleitet hätte und daher sensibilisiert sei. Und er würde niemandem etwas erzählen, weil er mir diese Entscheidung überlassen wolle. Vor meiner Abreise hatte ich eigentlich gedacht, allen meinen Mitschülern von der Narkolepsie zu erzählen, doch so bunt gemischt wie wir waren hielt ich es dann vor Ort besser, nur einigen wenigen etwas zu sagen.

Kurzum, die drei Monate waren unheimlich toll. Die Zeit verging viel zu schnell, nur zu gern wär' ich noch viiiiiel länger geblieben. Seufz.


Oliver