Narkolepsie ist eine organische Krankheit, für die der Betroffene nichts kann. Es ist unfair und ungerecht, ihm seine Einschlafneigung vorzuwerfen und ihn gar als Simulant, Faulpelz oder Schlafmütze hinzustellen. Es ist bekannt, dass sich die Symptome der Krankheit durch psychischen Stress in Beruf und Familie drastisch verstärken kann. Auch dafür kann nicht der von der Krankheit Betroffene verantwortlich gemacht werden.

Beim Auftreten von kataplektischen Anfällen sollten Anwesende versuchen, den Kranken in der gerade eingenommenen Stellung zu stützen. Sie sollten bedenken, dass er der naheliegenden und wohlgemeinten Aufforderung sich zu setzen, nicht folgen kann, weil die Muskeln jeglichen Dienst versagen. Man braucht auch keinen Arzt zu Hilfe zu rufen, da die Muskelkraft längstens nach Minuten wiederkehrt. So erschreckend das Miterleben eines kataplektischen Anfalls sein kann, man sollte sich immer vergegenwärtigen, dass - ganz im Gegensatz zur Epilepsie - nicht der Anfall krankhafter Natur ist, sondern lediglich der zeitliche Eintritt. Die Traumphasen des Nachtschlafs erlebt jeder in diesem Zustand "wie gelähmt".

Es ist deshalb auch nicht zu befürchten, dass der Narkoleptiker geistes- oder gemütskrank wird; sein Verstand funktioniert zu jeder Zeit einwandfrei und das Gemüt ist völlig normal. Lediglich eine Überdosierung von Psychostimulantien kann unter Umständen zu vorübergehenden psychotischen Zuständen mit Personenverkennung führen (Amphetaminpsychose, Ephedrinpsychose etc.). Diese Erscheinungen verschwinden sofort nach Absetzen des Medikaments. Es liegt wesentlich mit an den Angehörigen, dass es dem Narkoleptiker gelingt, einen für ihn passenden und erträglichen Tagesablauf zu organisieren mit den Ruhepausen, die er braucht.

Die Angehörigen sollten sich hüten, ihm jemals seine Krankheitssymptome vorzuwerfen und stets berücksichtigen, dass monotone Situationen seine Schlafneigung verstärkt hervortreten lassen.

Ansonsten sollte man den Narkoleptiker behandeln als das, was er ist. Als einen ganz normalen Menschen.

K. Meier-Ewert / Boerner / Wettstein